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Film heute im Kinoklub am Hirschlachufer - Erfurt

Filme die heute im Kinoklub am Hirschlachufer in Erfurt laufen.
Website Kinoklub am Hirschlachufer - Erfurt
  • Film am 04.05.2010, um 17.00 Uhr

    PRECIOUS - DAS LEBEN IST KOSTBAR


    USA 2009 / Dauer. 109 Min / FSK 12
    Regie: Lee Daniels
    Buch: Geoffrey Fletcher
    Musik: Mario Grigorov
    Darsteller: Gabourey Sidibe, Mo'Nique, Paula Patton, Mariah Carey, Sherri Shepherd, Lenny Kravitz, Stephanie Andujar

    "PRECIOUS – DAS LEBEN IST KOSTBAR" erzählt vom harten Leben eines übergewichtigen schwarzen Teenagers, die im Harlem der späten 80er Jahre eine persönliche Emanzipationsgeschichte erlebt. Lee Daniels Film ist ein bewegendes Drama, etwas dick aufgetragen und doch erstaunlich frei von Kitsch und Sentimentalität. In seiner schonungslosen Darstellung bisweilen schwer zu ertragen, aber enorm kraftvoll und mitreißend.
     
    Precious – Kostbar. So wird die Hauptfigur in Lee Daniels Film genannt. Reine Ironie, denn Precious ist zu Beginn des Films für niemanden wertvoll, niemand behandelt sie liebevoll, niemandem bedeutet sie etwas. Als stark übergewichtiges, eher unattraktives Mädchen hat sie es ohnehin schwer, ihre Mutter aber macht ihr das Leben zur Hölle. In einer Sozialwohnung hausen die beiden, die Mutter lebt von Sozialhilfe, sitzt den ganzen Tag vor dem Fernsehen und betrachtet ihre Tochter als ihr Eigentum. Zumal diese lange Jahre vom Vater vergewaltigt und geschwängert wurde, schon ein mongoloides Kind zur Welt gebracht hat und nun mit einem weiteren Kind schwanger ist. Weswegen Precious von ihrer Schule verwiesen wird, in der sie als Legasthenikerin und etwas dumm galt. Erst als sie die Möglichkeit bekommt, auf eine private Schule zu gehen, in der man sich um sie kümmert und fördert, beginnt Precious' stark gebrochene Emanzipationsgeschichte.
    Subtil ist es wahrlich nicht, mit welcher Anhäufung von Schicksalsschlägen Lee Daniels seine Hauptfigur zeichnet. Man kann sich kaum ausmalen, was Precious noch alles zustoßen könnte, und wundert sich umso mehr, dass der Film dennoch funktioniert, dass die Emanzipationsgeschichte von Precious nicht wie ein typisches Hollywoodmärchen wirkt. Zu Beginn des Films flüchtet sich Precious immer wieder in Fantasiewelten, in der sie die Rolle der Prinzessin einnimmt, bewundert von erfolgreichen, schönen Männern, eben den Verheißungen der Traumfabrik folgend. Mit zunehmendem Verlauf werden diese Tagträume – die sich mit alptraumhaften Rückblenden zu Szenen des Missbrauchs abgewechselt hatten – immer seltener, bis sie schließlich ganz verschwinden.
    Einmal mehr wird auch hier die Kraft der Bildung betont, werden Wissen und Bücher als Weg aus dem Elend aufgezeigt. Das mag ein Klischee sein, ein wahres zwar, aber doch eine Formel, die schon viele Filme mehr oder weniger erfolgreich benutzt haben. In "PRECIOUS“ funktioniert dieses Muster perfekt, was vor allem der außerordentlichen Leistung der Hauptdarstellerin Gabourey Sidibe zu verdanken ist. (…)

  • Film am 04.05.2010, um 19.00 Uhr

    SERAPHINE


    Belgien,  Frankreich 2008 / Dauer: 125 Min / FSK k.A.
     
    Regie: Martin Provost
    Buch: Marc Abdelnour, Martin Provost, nach dem Buch von Marc Abdelnour
    Musik: Michael Galasso
    Darsteller: Yolande Moreau, Ulrich Tukur, Anne Bennent, Geneviève Mnich, Nico Rogner u.a.

    Der große César-Abräumer zeichnet das beeindruckende Porträt der französischen Putzfrau und Malerin Séraphine Louis, eine zentrale Vertreterin der naiven Kunst.
     
    Wie so vielen Franzosen war Séraphine Louis kein Begriff für Regisseur Martin Provost, der erst einmal Daten sammelte, um in die geheimnisvolle Welt der Künstlerin einzudringen. Ein Kinostoff par excellence, denn hier geht es nicht um den linearen Aufstieg eines Talents, sondern um den tragischen Werdegang eines Menschen in seiner Widersprüchlichkeit und seiner nur sehr schwer zugänglichen Welt, kein Leben als Abfolge starker Momente, sondern eine Aneinanderreihung von vordergründigen Nichtigkeiten des Alltags und Rätseln um eine Person, die nicht in das Image des visionären Künstlers passt. Dabei war Séraphine Louis eine Visionärin, für die das Malen so wichtig war wie Essen und Trinken.
     
    Eingeführt wird sie als Haushälterin des deutschen Kunstsammlers Wilhelm Uhde, der 1912 in das französische Städtchen Senlis zieht, um fernab vom Pariser Trubel sich dem Schreiben zu widmen. Die eigenwillige Séraphine wäscht und kocht bei ihm und anderen Familien. Jede freie Minute verbringt sie mit Malen, aus geklautem Blut beim Metzger und flüssigem Wachs aus der Kirche rührt sie nächtens ihre Farben an. Als Uhde eines ihrer Bilder sieht, fördert er ihre Arbeit und macht der von den Nachbarn belächelten Frau Hoffnung auf eine große Karriere. Der Entdecker von Picasso und Henri Rousseau plant eine Ausstellung in der Seine-Metropole und Séraphine genießt die finanzielle Fürsorglichkeit des Mentors. Ihre Flucht in die psychische Erkrankung und der Erste Weltkrieg, der Uhde zwingt, Frankreich zu verlassen, beenden die Hoffnung auf eine Weiterführung ihres Werks.
     
    Nüchtern und mit einer gewissen Zurückhaltung beobachtet Provost, wie die Autodidaktin die ihr verbleibende Zeit wie eine Wahnsinnige nutzt und zeigt sie als eine von mystischen Mächten Getriebene und Uhde als ambivalente Persönlichkeit, die trotz Integrität und moralischer Stärke menschlich versagt. Dabei arbeitet er mit relativ statischer Kamera und langen Einstellungen, es zählt die Stille, nicht der Dialog. Warme Farben dominieren nur in Séraphines Bildern, bei Ausstattung und Kostüm herrschen kühle Farbe wie blau, schwarz und grün vor, kein weiß. Dreh- und Angelpunkt dieses berührenden Biopics ist die in Brüssel geborene Yolande Moreau (César als Beste Schauspielerin und Nominierung für den Europäischen Filmpreis) in ihrer Unförmigkeit und stoischen Ruhe. Eine Frau ganz...

  • Film am 04.05.2010, um 21.30 Uhr

    EIN PROPHET


    Frankreich, Italien 2009 / Dauer: 155 Min / FSK 16
     
     
    Regie: Jacques Audiard
    Buch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain
    Musik: Michel Barthélémy
    Darsteller: Tahar Rahim, Niels Arestrup, Adel Bencherif, Reda Katep, Hichem Yacoubi u.a.

    Dem französischen Regisseur Jacques Audiard gelingt mit „EIN PROPHET“das Sprengen jedweder Gefängnisfilmkonvention, indem er sich ganz auf die "Ich-Werdung" seiner Hauptfigur konzentriert. Für sein Ausnahmeepos erhielt er den Großen Preis der Jury in Cannes und eine Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film.
    Simpel mutet die Geschichte an, die zunächst dem Regelwerk eines konventionellen Knastfilms folgt und von Malik El Djebena erzählt, ein minderjähriger arabisch-französischer Achtzehnjähriger, der wegen einer nicht weiter benannten Dummheit zu sechs Jahren Knast verurteilt und von der korsischen Mafia für Dienste eingespannt wird. Alsbald verlässt der Film die ausgetretenen Pfade und entwickelt sich zu einem überaus komplexen Krimiepos: Wie der Junge sich zwischen den vereinzelten Gangsterfraktionen behauptet und selbst einen gut funktionierenden Drogenring aufbaut, erzählt Audiard mit einem Höchstmaß an Konzentration und absolutem Vertrauen in das eigene Können. Kommt einem ein Versatzstück auch noch so bekannt vor, Audiard findet immer eine spektakuläre Art, es neu und aufregend wirken zu lassen. Nach dem ersten Mord im Auftrag des korsischen Dons César Luciani an einem arabischen Mitinsassen – mit einer Hochspannung und Brutalität inszeniert, dass Michael Mann vor Neid erblassen würde – wird er wiederholt von dessen Geist besucht: Beginn einer Entdeckungsreise zu den eigenen Wurzeln, die zu dem gefährlichen Doppelspiel Maliks führt. Wiederholte Explosionen von Gewalt im Gefängnis oder später auf Freigängen bei einem verkorksten Überfall oder einer fatalen Autofahrt lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Malik stets in Lebensgefahr ist. Doch bei aller Härte verliert der Film nie aus den Augen, dass er von einer verlorenen Unschuld erzählt, was zu einem bewegenden Schlussbild zu den Klängen von „Mack the Knife“ in einer Version von Jimmie Dale Gilmore führt, das Audiards Themen mit resigniertem Galgenhumor zusammenfasst: All das Taktieren und Morden waren für die Titelfigur nur Mittel zum Zweck, sich die eigene Jugend zu bewahren. Beeindruckend die darstellerische Leistung des charismatischen Newcomers Tahar Rahim, zärtlich und brutal zugleich, ein abgebrühter Killer, der nur Überleben kann, weil er bereit zu lernen ist, und doch ein ganz normaler Junge, der seine kindliche Freude über seine erste Reise in einem Flugzeug nicht verhehlen kann. Beim Kritiker-Poll des Filmmagazins Sight & Sound wurde „Ein Prophet“ zum Film des Jahres 2009 gewählt. Die Damen und Herren wissen, wovon sie sprechen.
    Quelle. kino.de